Heribert Jansson am Grenzübergang Checkpoint Charlie  Foto: Victoriaförsamling

Heribert Jansson am Grenzübergang Checkpoint Charlie Foto: Victoriaförsamling
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Schweden und der Kalte Krieg – in Berlin

Heute Abend werde ich mitten in Berlin an einem Gemeindeabend der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien teilnehmen. Diese Gemeinde spielte während des Kalten Krieges eine Zeit lang auch für die schwedische Victoriagemeinde in Berlin eine wichtige Rolle. Die Mitglieder der schwedischen Gemeinde waren nach dem Krieg in ganz Berlin verstreut, und es war Aufgabe der Kirche, sie alle zu betreuen. Das hatte während der gesamten Zeitraums der fünfziger Jahre dazu geführt, dass der schwedische Gemeindepfarrer regelmäßig den russischen Sektor besuchte.

Nach dem Bau der Mauer im August 1961 war es schwieriger, diese Kontakte aufrecht zu erhalten. St. Marien öffnete damals der Victoriagemeinde ihre Pforten. Einmal im Monat hielt der schwedische Pfarrer, Heribert Jansson, einen Gottesdienst in der Kapelle der Marienkirche. Die Victoriagemeinde forderte die in West-Berlin ansässigen Schweden auf, über die Grenze mit zu diesen Gottesdiensten zu kommen, um deutlich zu machen, dass es sich, trotz der Mauer, noch immer um eine Gemeinde handelte.

Im Herbst 1963 wurde aufgedeckt, dass der schwedische Pfarrer ostdeutsche Bürger im Kofferraum seines Autos auf die andere Seite der Mauer geschmuggelt hatte. Das führte zu einem Protest der Ostdeutschen und Jansson wurde mit einem Einreiseverbot für die DDR belegt. In Stockholm war die Aufregung groß. Viele waren der Meinung, der Pfarrer – er war im Besitz eines Diplomatenpasses – hätte seinen Status als Diplomat missbraucht.

Seine Handlungen waren nicht unumstritten, weder im Außenministerium in Stockholm noch bei seiner Dienstherrin, der schwedischen Kirche, die über die Fortführung seines Amtes in Berlin zu entscheiden hatte. Möglicherweise war es die überwältigende Unterstützung, die Heribert Jansson von den Westberliner Behörden und der evangelischen Kirche in Deutschland erfuhr, die bewirkten, dass er Berlin erhalten blieb.

Darüber werden wir uns bei dem heutigen Gemeindeabend austauschen.

Heribert Jansson mag eine umstrittene Persönlichkeit gewesen sein. Eines steht jedoch fest. Einem Beamten, und wohl auch einem Pfarrer, genügt es nicht, das auszuführen, was Vorgesetzte fordern oder die Regeln vorschreiben. Wir stehen immer in der Pflicht, bei dem, was wir tun, einen anderen, höheren Maßstab anzulegen. Daran erinnern uns auch Heribert Jansson und die Geschehnisse in der St. Marien-Gemeinde vor 50 Jahren.


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