Filmemacher Svante Tidholm und Zeit-Journalistin Mariam Lau sprechen über die unterschiedliche Sicht auf Prostitution in Schweden und Deutschland. Foto: Wiebke Ankersen
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Prostitution: Wie wir die Dinge sehen – in Schweden und in Deutschland

Kürzlich hatten wir in der Schwedischen Botschaft eine zweite Diskussionsveranstaltung über die schwedische Prostitutionsgesetzgebung. Dass diese Diskussionen gerade jetzt stattfinden, wo eine Gesetzesänderung auf der Agenda der deutschen Regierung steht, ist natürlich kein Zufall. Häufig wird zur Zeit in Deutschland auf die ganz anders angelegte schwedische Gesetzgebung Bezug genommen.

Ich sage oft, dass es einem Schweden leicht fällt, sich in der gesellschaftlichen Debatte in Deutschland zurecht zu finden. Das gilt allerdings nicht für die Prostitutionsdebatte. Was nicht bedeutet, dass diese Frage nicht zu  interessanten Perspektiven auf die deutsche und die schwedische Gesellschaft einlädt.

In Schweden haben wir eine Gesetzgebung, die sich auf den Käufer sexueller Dienstleistungen konzentriert und Sexkauf bestraft. Es ist eine Gesetzgebung, die, als sie eingeführt wurde, auch viel kritisiert wurde. Sie wurde durchgesetzt von einer Koalition derer, die den Kauf sexueller Dienstleistungen aus Gleichstellungsgründen und derer, die ihn aus ethisch-moralischen Gründen ablehnen. Heute erfreut sich diese Gesetzgebung einer sehr großen Unterstützung in der schwedischen Bevölkerung. Eine Unterstützung, die sich im politischen Spektrum von ganz rechts bis ganz links erstreckt.

 Auch in Deutschland gibt es solche Überzeugungen, aber sie sind in der Minderheit. Die deutsche Gesetzgebung ist im Prinzip darauf ausgerichtet, diejenigen, die sexuelle Dienstleistungen verkaufen, so gut es geht zu schützen. Das Hauptargument gegen ein Sexkaufverbot ist, wenn ich es richtig sehe, dass es nicht die Sache des Staates ist, den Bürgern vorzuschreiben, wie sie sich verhalten sollen.

Zugrunde liegt dem natürlich eine positivere Einstellung der Schweden gegenüber dem Staat. In Deutschland ist das Misstrauen gegenüber dem Staat sehr viel größer. Ideologisch gesehen ist das ein wirklich interessanter Unterschied.

Der Gedanke an parallele politische Fragen liegt nah, in denen der Staat durch Gesetze regelt, wie Bürger sich verhalten sollen. Da sind zum Beispiel die Gewaltanwendung in der Kindererziehung oder auch die Vergewaltigung in der Ehe. Die Gesetzgebung schützt hier den Schwächeren, das Kind bzw. die Frau, durch ein Verbot – ebenso, wie die schwedischen Prostitutionsgesetzgebung den Schwächeren, die Frau, durch ein Verbot schützt. Ein Verbot von Vergewaltigung in der Ehe und von Gewaltanwendung in der Kindererziehung haben wir inzwischen in Schweden und in Deutschland.


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