Willy Brandt, 1. Mai 1944 in Stockholm. Copyright: AdsD, Bonn
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Willy Brandt

Kein deutscher Politiker der Nachkriegszeit, Herbert Wehner vielleicht ausgenommen, war mit Schweden so eng verbunden wie Willy Brandt. Das hat natürlich mit seiner Flucht 1933 nach Norwegen und mit seinem Leben als Flüchtling in Stockholm während des zweiten Weltkrieges zu tun. Während meiner Kindheit war er immer wieder im schwedischen Radio zu hören und da er Norwegisch sprach, verstand ich jedes Wort von ihm.

Heute denkt man in Schweden bei Willy Brandt vor allem an den Bundeskanzler, der in Warschau auf die Knie fiel und der durch seine Ostpolitik erträglichere Bedingungen im geteilten Deutschland sowie in ganz Europa zu Zeiten des kalten Krieges erreichte. Und zu dieser Ostpolitik gibt es sogar einen direkten Bezug zu unserer Botschaft. Das erste Treffen zwischen Willy Brandt und dem sowjetischen Botschafter in der DDR, Abrassimow, das bereits Zeichen der Ostpolitik aufwies, die Brandt später als Bundeskanzler betreiben sollte, fand in der Wohnung des damaligen schwedischen Generalkonsuls in der Westberliner Pücklerstraße statt, dort also, wo sich heute die Residenz des schwedischen Botschafters befindet.

Das Treffen fand im Mai 1966 statt, einige Monate bevor Willy Brandt zum Außenminister der ersten großen Koalition nach dem Krieg ernannt wurde. Der Mann, der dieses Treffen arrangierte, war Sven Backlund, schwedischer Generalkonsul in West-Berlin und späterer Botschafter in Bonn, der gute Beziehungen zu Vertretern der deutschen Sozialdemokratie, darunter der West-Berliner Regierende Bürgermeister (und Kanzlerkandidat) Willy Brandt, unterhielt.

Aber als streitbarer Bürgermeister West-Berlins hatte Brandt oft auch auf den Barrikaden gestanden, um während etlicher Berlin-Krisen die Freiheit seiner Stadt zu verteidigen. Ich würde daher gern wissen wollen, woran er wohl gedacht hätte, wenn er letzte Woche bei der Einweihung der neuen ständigen Willy-Brandt-Ausstellung im Unter den Linden gelegenen Forum Willy Brandt Berlin mit hätte dabei sein können. Ich bin mir sicher, dass es ihm persönlich eine große Freude gewesen wäre, dass die Ausstellung auf der „anderen Seite“ des Brandenburger Tors – während seiner Zeit als Bürgermeister ein Symbol für das geteilte Berlin – ihren Platz gefunden hat.

Selbstredend waren sowohl der norwegische Botschafter als auch ich bei der Einweihung mit dabei. Bei der Führung durch die Ausstellung sprachen mich besonders die ersten Filmaufnahmen mit dem jungen Willy Brandt, seine 3jährige Tochter auf den Schultern, an. Sie entstanden 1944 in Stockholm während der Demonstration zum 1. Mai und machen nochmals die engen Beziehungen deutlich, die ihn mit Schweden und der nordeuropäischen Sozialdemokratie verbanden.


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