Was für eine schöne Rede
Am Freitag in der vergangenen Woche waren der deutsche Bundespräsident und seine Partnerin Daniela Schadt Gäste eines Mittagessens des schwedischen Königspaares im königlichen Schloss in Stockholm. Wir waren nicht viele, vielleicht 40 Personen, viele von ihnen Spitzenvertreter der schwedischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Zuvor hatte das Präsidentenpaar gemeinsam mit dem König und der Königin die Deutsche Schule in Stockholm besucht, die ihr 400-jähriges Bestehen feierte.
Ich habe im Laufe von fast vier Jahrzehnten im Dienst des schwedischen Außenministeriums viele Tischreden gehört. Dreimal, 2002, 2005 und 2007 habe ich die Dankesrede eines Nobelpreisträgers beim glanzvollen Bankett im Stockholmer Rathaus gehört. Wenige, wenn überhaupt ein Festredner, waren so eindrucksvoll wie Präsident Gauck am vergangenen Freitag im königlichen Schloss.
Der Präsident sprach von Schweden als dem Land, nach dem er sich jahrzehntelang als DDR-Bürger – er selbst würde wohl sagen als Untertan – sehnte, in das er aber nicht reisen durfte. Bis er dann in den 80er Jahren als Teil einer Kirchendelegation Schweden besuchen konnte.
Beim Schuljubiläum am Vormittag hatte er Vielfalt und Pluralismus in einer heutigen schwedischen oder deutschen Schule verglichen mit Einheitlichkeit und Konformismus in der Schule jenes Deutschlands, in dem er aufwuchs, dem Land, das seinen Kindern den Zutritt zum Universitätsstudium verweigerte, weil sie nicht Mitglieder in den Kinder- und Jugendorganisationen des Regimes gewesen waren. Ein Stück Gesellschaftskunde für die zuhörenden Schüler und Eltern.
Aber wie der Präsident seine Zuhörer erreicht, erklärt sich nicht nur über das, was er sagt. Wenn er frei spricht, dann gibt es da keine Politikerphrasen. Stattdessen teilt er uns Bruchstücke aus seinem Leben mit, in einem Deutsch, wie ich es schöner noch nicht gehört habe. Da spielt es keine so große Rolle, dass die Mittagsrede nicht dokumentiert wurde und daher ungefähr so greifbar ist wie eine gerade beendete Theatervorstellung. Der Präsident erreichte die Herzen direkt, und wir, die da waren, werden das nicht vergessen.

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