Ein Stück schwedisch-deutsche Geschichte – ganz aus der Nähe
Man wechselt seine Außenpolitik nicht wie das Hemd. Dass die schwedische Außenpolitik eine neue Richtung einschlug, ist in den letzten vierhundert Jahren ganze drei Mal vorgekommen: 1628, 1809 und 1995. In zwei der drei Fälle hing die Änderung des politischen Kurses mit Geschehnissen in Deutschland zusammen.
1628 drohte die Armee des habsburgischen Kaisers, die südliche Ostseeküste zu besetzen. Das streng protestantische Schweden fürchtete, es könnte zum nächsten Ziel der Katholiken und der Gegenreformation werden. Zu Beginn des Jahres 1628 fassten Regierung und Reichstag den Beschluss, schwedische Truppen auf deutschen Boden zu entsenden. Das war der Auftakt der schwedischen Beteiligung am Dreißigjährigen Krieg. Nachdem König Gustav II Adolf 1630 mit 14 000 Mann an der deutschen Ostseeküste gelandet war, sollte Schweden für fast 200 Jahre eine Rolle als regionale Großmacht in der europäischen Politik spielen.
Von Beginn des 19. Jahrhunderts an, als Schweden Finnland im Krieg gegen Russland verloren hatte, führte Schweden dann für wiederum fast 200 Jahre eine entgegengesetzte Politik. Wir hielten uns aus dem europäischen Geschehen heraus und führten eine klassische Neutralitätspolitik. Der Aufbruch aus dieser Neutralitätspolitik während der 1990er Jahre, die Rückkehr Schwedens in die europäische Politik, hängt eng mit dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung zusammen. Solange Deutschland und Europa geteilt waren, war Schweden nicht zum Schritt in die Europäische Union bereit. Schwedische Regierungen prüften diese Frage in den 1960er und 1970er Jahren, beide Male war die Antwort negativ. Erst 1995 wagten wir dann den Sprung.
Als ich vor Ostern an der Einweihung der Ausstellung ”1636 – Ihre letzte Schlacht” im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel teilnahm, wurde ich an diese Entwicklungen erinnert. Die Ausstellung basiert auf dem kürzlichen Fund eines Massengrabes der Schlacht mit den Überresten von 125 Soldaten, die im Jahr 1636 in der Schlacht bei Wittstock gefallen waren: ein kleiner Teil jener Armee, die es durch ihren Sieg in dieser Schlacht auf fast wundersame Weise vermochte, Schweden noch weitere zwölf Jahre, bis zu seinem Ende 1648, im Dreißigjährigen Krieg zu halten.
Für einen Besuch der spannenden Ausstellung ”1636 – Ihre letzte Schlacht” muss man nicht militärhistorisch interessiert sein. Nein, es ist nicht der Kriegsverlauf, auf den sich die Ausstellung konzentriert, sondern sie fragt – ausgehend von den Forschungsergebnissen des Massengrabfundes – nach der historischen Lebenswirklichkeit, danach, wie das Leben und Sterben der Soldaten aussah, die vor fast 400 Jahren im Dreißigjährigen Krieg kämpften. Die Ausstellung verdient viele Besucher.

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