Die deutsche Presse – und die schwedische

Ende letzter Woche habe ich vor der schwedisch-deutschen Vereinigung in Stockholm über das schwedisch-deutsche Verhältnis gesprochen. Die anschließende Diskussion kam auch auf die Frage, ob nicht die deutschen Zeitungen besser seien als die schwedischen.

Ich weiß nicht, ob die gedruckte Zeitung überhaupt eine Zukunft hat. Wie auch immer – man kann schwedische und deutsche Zeitungen nicht miteinander vergleichen, ohne danach zu fragen, an welche Leser sie sich wenden. In Schweden gibt es eine alte Tradition des Zeitunglesens. Die Zeitungen hatten schon immer verhältnismäßig hohe Auflagen, und auch die Qualitätszeitungen wenden sich an eine breite Allgemeinheit.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung sind fantastische Informationsquellen. Etwas Vergleichbares gibt es nicht in Schweden. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass ich als Ausländer erst einmal einen Kaffee brauche, ehe ich mich am Frühstückstisch an die FAZ wagen kann. Denn dafür brauche ich meine ganze Aufmerksamkeit, sonst verliere ich den Faden. Ob wohl Dagens Nyheter oder Svenska Dagbladet ihre Leser behielten, wenn Sie anfingen, wie Süddeutsche oder FAZ zu schreiben?


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  1. 01

    FAZ und SZ sind leider wirklich ohne schwedisches Gegenstück. Aus deutscher Sicht kann man da – meine Meinung – auch bei DN und SvD nicht wirklich von »Qualitätszeitungen« sprechen.

    Begeistert vom damals innovativen Design habe ich während des Studiums in Hamburg und Stockholm oft die DN gekauft (gab es in Hamburg an den Bahnhöfen zu kaufen), um in der Vor-WWW-Zeit mehr über Schweden zu erfahren. Schon damals wunderte ich mich, dass der große Politik-Teil nur eine Seite “Ausland” beinhaltete.

    Positiv fand ich immer die “Debatt”-Artikel, die es in dieser Form früher in Deutschland nicht gab – und die auch Debatten ausgelöst haben, was bei den Texten, die sich heute z.B. auf Seite 2 als „Außenansicht« in der SZ finden, leider nur selten der Fall ist.

    Wie ich jetzt gerade (letzte Woche in Sthlm) wieder feststellen musste, ist die inhaltliche Qualität von DN nicht sehr hoch – vermutlich eben weil sie sich an eine breite Allgemeinheit wenden bzw. aus wirtschaftlichen Gründen wenden müssen. (Vom unmodernen, so gar nicht schwedischen Design will ich lieber nicht anfangen.)

    Da frage ich mich, wo sich die politisch und am Weltgeschehen Interessierten in Schweden informieren? Aus schwedischen Zeitungen jedenfalls nicht oder – aus meiner Sicht – nur unzureichend.

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