Interesse mit Tiefgang

Erland Josephson ist gestorben. Schweden meiner Generation, die in den 60er oder 70er Jahren erwachsen wurden, erinnern sich an ihn als an Johan, Mariannes Mann in Ingmar Bergmans sagenhaftem Fernseh-Mehrteiler „Szenen einer Ehe“. Später spielte er Isak Jacobi in Bergmans letztem großem Film „Fanny und Alexander“, der das Urteil über die Zeit vor dem ersten Weltkrieg spricht: „Alles wird nur schlimmer. Die Menschen werden schlimmer, die Maschinen werden schlimmer, und auch die Kriege werden es.“

Mehr als fünf lange Spalten schreibt Fritz Göttler in der Süddeutschen Zeitung sachkundig und einfühlsam über den „großen Schauspieler aus dem Zauberreich des Ingmar Bergman.“ Das wundert mich nicht. Natürlich ist die Sachkenntnis über Ingmar Bergman – und Ingmar Bergman ist nicht wegzudenken, wenn man über Erland Josephson spricht – in ganz Europa groß. Auch hatte Josephson neben seiner schwedischen auch eine internationale Karriere, und er arbeitete mit großen Künstlern wie dem Russen Andrei Tarkowski zusammen.

Und trotzdem. Wenn jemand wie Birgitta Trotzig stirbt – und sie war eine Autorin, deren Name selbst in ihrem Heimatland nicht gerade in aller Munde war – oder wenn jemand wie Tomas Tranströmer den Nobelpreis erhält, dann kann die deutsche Berichterstattung darüber mit der schwedischen mithalten, wenn sie sie nicht sogar übertrifft.

Für einen Botschafter ist das eine ungewöhnliche Erfahrung. Abgesehen von meinen Kollegen in den nordischen Nachbarländern glaube ich nicht, dass es einen schwedischen Botschafter gibt, der auf so viel Kenntnis und Wohlwollen gegenüber Schweden trifft, wie ich hier in Deutschland.

Als ich im vergangen Jahr die große Bergman-Ausstellung im Rahmen der Berlinale eröffnet habe, wollte ich etwas über das Schwedische an Ingmar Bergman sagen. Ich sprach in diesem Zusammenhang über seine heimliche Rückkehr für einen einzigen Tag auf die Insel Fårö, nachdem er 1976 vor den Steuerbehörden nach Deutschland geflohen war, und zitierte dabei Bergman selbst:

„Gestern Abend holte uns ein Flugzeug aus Kopenhagen ab und wir flogen durch den Sonnenuntergang nach Visby. Anna wartete auf uns mit dem grünen Volvo, und dann fuhren wir in der frühsommerlichen Abenddämmerung hinauf nach Fårö. Es hat sich nichts verändert, es war nur schöner, reiner, als ich es mir je hätte vorstellen können.“

Neu in Deutschland, wir ich damals war, wollte ich sichergehen, dass das Publikum bei der Ausstellungseröffnung verstand, dass Ingmar Bergman neben seiner Allgemeingültigkeit auch eine ganz klar schwedische Seite hatte. Ich hätte mir keine Sorgen machen zu brauchen. Natürlich hatte auch die Insel Fårö ihren rechtmäßigen Platz in der großen Bergman-Ausstellung der Deutschen Kinemathek.


0 comments Send comment

Comment on post

To post a comment you need to log in with Facebook:

Read our netiquette

Latest posts

Sweden in the UK

Comment

Goodbye Britain

29 August 2016 at 19:24

After six wonderful years in Britain my term as ambassador has come to…

Sweden in Greece

Comment
photo: Robin Pettersson

Η Εθνική Εορτή της Σουηδίας 6 Ιουνίου

09 June 2015 at 09:15

 

Το Σάββατο γιορτάστηκε η Εθνική Εορτή της Σουηδίας, 6η Ιουνίου. Εμείς κάναμε…

Sweden in Poland

Comment

“We are here”

28 October 2014 at 18:22

I have just returned from POLIN – the Museum of the History of…

Sweden in Japan

Comment
Lars Vargö

Through the alleys of Stockholm

10 June 2014 at 13:23

Some participants in the haiku competition, and some friends of theirs, have pointed out…